Titel und Inhalt der aktuellen Ausgabe finden Sie
spätestens bis zum 10. des Erscheinungsmonats auf dieser Seite.

 

 

EDITORIAL zum aktuellen Heft:

Liebe „Historikus“-Leserinnen und Leser,

seit der Ankündigung, den „Historikus“ auslaufen zu lassen, bin ich oft gefragt worden, ob denn Ende 2017 wirklich Schluss sein soll. Wenn also noch Interesse da ist, und ich von mir selbst auch nicht behaupten kann, gar keine Lust mehr zu haben, dann machen wir eben noch ein bisschen weiter. Ab 2018 mit zwei Halbjahresausgaben, je vier Seiten umfangreicher und zum Preis von vier Euro (die drei Euro haben wir seit 2006 gehalten). Abonnenten, die Ihre Bestellung beibehalten möchten, brauchen gar nichts zu tun, dem ersten zugestellten Heft 2018 liegt eine Rechnung bei (acht Euro plus drei Euro Versand), bei Abos mit Lastschrift ziehen wir diesen Betrag ein, alles wie gehabt. Ansonsten müss­ten Sie das Abo bitte kündigen, ein Anruf oder eine E-Mail genügen. Geschenk-Abos für die Dauer eines Jahres sind natürlich auch möglich.
Mit der ersten Ausgabe 2018 bitte ich Sie um etwas Geduld. Weil bei 32 Seiten etwas mehr zu schreiben und zu setzen ist, wird das Heft Mitte Januar 2018 erscheinen.
Damit zum Inhalt. Man stößt doch immer wieder auf unentdeckte Perlen in der vogtländischen Geschichte. Wer hätte schon gewusst, dass in Plauen eines der ersten, womöglich sogar das erste deutsche Fabrikgebäude in Stahlskelett-Bauweise steht? Sie kennen vielleicht diese berühmten amerikanischen Fotos, auf denen Arbeiter in schwindelerregender Höhe auf Stahlträgern herumklettern, eines davon finden Sie hinten im Heft. So ungefähr werden sich auch die Männer auf dem Stahlgerüst in Plauen bewegt haben, bloß dass die Konstruktion um einiges kleiner war. Das stählerne Tragwerk hatte „nur“ vier Geschosse, aber die dürften auch gereicht haben, um unter den Zaungästen an der Baustelle das große Staunen ausbrechen zu lassen. Von dem Stahlskelett sah man bereits nach einigen Monaten Baufortschritt nichts mehr, es wurde mit einer Fassade verkleidet. Jetzt müssten Sie nur noch wissen, von welcher Fabrik wir hier reden: Es handelt sich um das Plauener Kabelwerk, das vor 115 Jahren als Maschinenstickerei gebaut wurde.

Um dieselbe Zeit vollbrachte auch die Stadt Plauen eine Pioniertat: mit dem Bau ihres ersten Trinkwasserspeichers. Als die Staumauer im Geigenbachtal stand, war das 20. Jahrhundert gerade angebrochen, und die meisten Deutschen hatten von dem Wort Talsperre noch nie etwas gehört. Viele Wasserwirtschafts-Experten gaben künstlichen Stauseen zur Trinkwassergewinnung keine Chance, währenddessen die Vogtländer bereits aufs richtige Pferd setzten.

Starke Musiker hat das Vogtland einige hervorgebracht, der Laie staunt! In der ersten Ausgabe 2017 hatten wir den gebürtigen Oelsnitzer Johann Rosenmüller aufleben lassen, den heute außer ein paar Fachleuten keiner mehr kennt. Mit dem Namen des Tonkünstlers in diesem Heft etwas anfangen zu können, gehört hingegen zur Allgemeinbildung. Es handelt sich um Heinrich Schütz. Dass dessen Wurzeln im Vogtland liegen, wird den meisten von Ihnen sicher unbekannt sein, ich hatte es auch nicht auf dem Schirm. Ist jetzt nicht unbedingt die Bildungslücke, Köstritz, wo Schütz zur Welt kam, verbindet man nicht gleich automatisch mit dem Vogtland. Aber es gehörte lange zum Herrschaftsgebiet der Reußen, die auf die Vögte von Plauen zurückgehen.

Die Bedürfnisse der Bevölkerung immer besser zu befriedigen, war eine dieser penetranten Losungen, die einen in der DDR ständig begleiteten, ohne dass man sie bewusst wahrnahm. Man verwendete seine Energie lieber darauf, dem sozialistischen Einzelhandel Waren abzuringen, die nicht in den Auslagen auftauchten. Gerade beim Fleischer waren diejenigen deutlich im Vorteil, die zur bevorzugten Kundschaft gehörten. Für den „Rest“ blieb die Auswahl meistens überschaubar – obwohl die Schlachtbetriebe nach Kräften lieferten, wie das Beispiel des Schlachthofes Auerbach zeigt.

Damit hätten wir gleich das Stichwort für den nächsten Beitrag. Regelrecht abgeschlachtet wurde in einer Mainacht des Jahres 1877 ein Gastwirtsehepaar in Lottengrün, einem Dorf unweit von Oelsnitz. Die Bluttat war damals das Gesprächsthema in der ganzen Gegend. Den Raubmörder fasste die Polizei schnell: Er hatte sich schon vorher verdächtig gemacht.

Viele Freunde fanden die Bienenzüchter in Kleingartenanlagen unter ihren Nachbarn früher scheinbar nicht. Die Siedler fühlten sich von den summenden Insekten oft belästigt, weshalb der „Vogtländische Anzeiger und Tageblatt“ 1930 eine ganze Seite darauf verwendete, den Laubenpiepern zu erklären, dass ihre Obsternte ohne die fliegenden Bestäuber ausfallen würde. Ob das Blatt in seiner Rolle als Mediator Befriedung schaffte? Man weiß es nicht. Die Bienen jedenfalls wird das ganze Gezerre nicht interessiert haben.

Ihr Andreas Krone