Titel und Inhalt der aktuellen Ausgabe finden Sie
spätestens bis zum 10. des Erscheinungsmonats auf dieser Seite.

 

 

EDITORIAL zum aktuellen Heft:

Liebe „Historikus“-Leserinnen und Leser,

beim Blick auf das Titelbild verspürt man doch auf der Stelle eine gewisse Dankbarkeit, nicht in dieser Zeit gelebt zu haben. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass irgendjemanden das Bedürfnis überkommt, einmal mitzulöffeln aus der Graupenschüssel.
Wir schauen uns in dieser Ausgabe auf den Tischen unserer Vorfahren um, vor allem auf denen derer, die nicht viel hatten. So ungefähr hätten sich auch die meisten von uns ernährt. Den unteren Schichten mit wenig bis keinem Besitz gehörten die weitaus meisten Menschen an, man darf daher getrost vermuten, dass auch Sie und ich in den Reihen der Habenichtse gelandet wären, hätte uns die Vorsehung einen früheren Platz in der Geschichte zugewiesen. Kein erbaulicher Gedanke, wobei man feststellen muss, dass sich unsereins auch im Hause besserer Leute wohl nicht auf die Mahlzeiten gestürzt hätte. Denn selbst dort blieb das Angebot überschaubar. Im Vogtland war ausgelassenes Tafeln auf sich biegenden Tischplatten eher weniger angesagt, die Herrschaften hierzulande verkörperten überwiegend den niederen Adel und herrschten über Güter, nicht über Länder.
Manche der in dem Text erwähnten Speisen und geschilderten Essgewohnheiten hielten sich sehr lange, Leserinnen und Lesern im gediegenen Alter wird da einiges bestimmt noch bekannt vorkommen. Dass wir den Beitrag bebildern konnten, ist dem freundlichen Entgegenkommen des Vogtländischen Freilichtmuseums Landwüst zu danken.

Eine der spannendsten Fragen überhaupt ist die nach früheren Zivilisationen. Existierten Gesellschaften, die untergegangen sind und Zeugnisse hinterließen, deren Entstehung und Bedeutung wir uns bis heute nicht erklären können? Man denkt bei diesen Geschichten an weltbekannte historische Schauplätze wie Stonehenge oder Carnac, an Erich von Dänicken sicher auch. Dass sich der „Historikus“ mal auf diesem Feld tummeln würde, hätte man eher nicht erwartet. Aber: So ganz frei von vorzivilisatorischen Mysterien ist auch das kleine Vogtland nicht. Vor einigen Monaten hat mich unser Plauener Leser Dieter John auf eine rätselhafte Steinreihe im Bayerischen Vogtland hingewiesen, die sehr, sehr alt zu sein scheint. Außerirdische haben das Dutzend Steinblöcke nicht bei den Oberfranken abgelegt, soweit sind sich alle einig, die sich eingehender beschäftigt haben mit den Megalithen. Aber sonst? Fragezeichen.
Der Autor dieses Beitrags beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Phänomen Megalithbauten. Die bedeutendsten in verschiedenen Ländern der Erde hat er selbst besichtigt. Für unser Magazin fasst der Computer-Fachmann im Ruhestand das bekannte Wissen über die sogenannten Zwölf Apostel unweit von Bad Steben zusammen.

Unverdrossen bewegt die DDR-Geschichte die Gemüter, ich bekomme da immer wieder Wortmeldungen. Wer etwas ausgeschert ist in seiner Lebensweise, konnte im Arbeiter-und-Bauern-Staat so seine ganz speziellen Erfahrungen machen. Hubert Schierl aus Straßberg fällt in diese Kategorie. Dem ehemaligen Pfarrer hingen Mielkes Bataillone hartnäckig an den Fersen. Das hatte zum einen mit dessen Beruf zu tun, zum anderen mit seinem Eheglück – Schierl heiratete 1973 eine Siebenbürgen-Deutsche aus Rumänien, wozu man, eine andere Geschichte, gegenüber den Behörden einen langen Atem brauchte. Nach der Wende staunte der Prediger nicht schlecht, was die Späher so alles über ihn „ausgekundschaftet“ hatten. Einen Papierberg voller Belanglosigkeiten hatte die „Firma“ zu seiner Person produziert, man will heute gar nicht mehr glauben, dass sich jemand in solchen Zinnober verbeißen konnte und dabei auch noch glaubte, eine ernst­hafte Arbeit zu tun. Ob man sich darüber noch aufregen soll nach all den Jahren, ob man einfach abwinkt oder das Ganze eher amüsiert betrachtet? Jedem seine Sa­che. Hubert Schierl hat die dilettantische Geschäftigkeit der Stasi jedenfalls etwas Erinnerungshilfe geleistet: Vieles, was er in den Akten fand, hatte er selber längst vergessen.

Geschichte erzählen mit dem Smartphone: Mein Ding wäre das nicht mehr so, aber es wächst ja zum Glück die nächste und übernächste Generation von Chronisten nach. Schülerinnen und Schüler des Plauener Dies­terweg-Gymnasiums haben einen Stadtrundgang nach Koordinaten entwickelt, entlang der Strecke, auf der die Demonstranten 1989/90 allsonnabendlich ihr Bestes gaben, um der DDR das Lebenslicht auszublasen. Die GPS-Stadtrallye, so der Name des Projekts, führt zu den wichtigsten Punkten der Wende in Plauen, wer den dazugehörigen Flyer mit nutzt, kann eigentlich kaum vom Weg abkommen.
Viel Spaß beim Erkunden wünscht

Ihr Andreas Krone