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Wir machen weiter.
Seit 2018 mit zwei Halbjahres-Ausgaben,
vier Seiten mehr als bisher, Preis vier Euro.

Heft I-2018 erschien Mitte Januar

 

 

EDITORIAL zum aktuellen Heft:

Liebe „Historikus“-Leserinnen und Leser,

was ziehe ich an, ist für viele Zeitgenossen eine täglich wiederkehrende Frage. Bekleidung gehört zu den Dauerthemen im Leben des Menschen. Früher, als es noch keine Modeläden und Kaufhäuser, geschweige denn den Internethandel gab, standen die Leute allerdings viel weniger ratlos vor dem Kleiderschrank. Man ging, wollte man etwas Neues auf den Leib, zum Schneider. Vielmalige Neuanschaffungen im Jahr waren nicht drin. Mit der industriellen Fertigung von Bekleidung wurde die Auswahl dann größer – und die Luft für die Schneider dünner. Zumal dank der Nähmaschine die Selbst-ist-die Frau-Methode um sich griff. Deren keineswegs geradlinigen Weg vom mühselig in Handarbeit konstruierten Erstling zum Massenprodukt haben wir in der Rubrik „Erfindung“ aufgegriffen.

Wenn es nur der Schreck gewesen wäre, der dem einsamen nächtlichen Motorradfahrer in die Glieder fuhr, als er plötzlich statt der Straße ein großes schwarzes Loch vor sich sah. Doch es kam viel schlimmer, der junge Mann fiel samt seiner Maschine in die Tiefe! Bei Herlasgrün war im April 1961 die Brücke über die Eisenbahn zusammengebrochen, und es grenzte geradezu an ein Wunder, dass das Unfallopfer mit einigen Blessuren davonkam.

Jedem vogtländischen Dorfadligen schick­te der König natürlich keine persönlichen Zeilen, all die Von-und-Zus in seinem Reich wird Majestät vermutlich mit Namen gar nicht gekannt haben. Sylvio von Kos­poth dagegen war dem dritten Friedrich August durchaus ein Begriff. Vor dem Ers­ten Weltkrieg besuchte der Monarch den Herrn von Leubnitz in dessen Schloss, und noch Jahre nach seiner Abdankung erinnerte sich der Wettiner an die treuen Dienste seines „lieben Generalleutnants". Das Schloss wurde nach 1945 enteignet, heute steht es jedermann als Kulturzentrum offen.

Was uns über die vogtländische Vergangenheit bekannt ist, verdanken wir zu einem guten Teil Geschichtsforschern früherer Generationen. Männer wie Berthold Schmidt, Paul Wild, Johannes Müller, Curt von Raab, Eduard Johnson, Alwin Neupert sen. – die Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig – arbeiteten sich in Archiven, Kirchen und Bibliotheken durch die Schriftstücke vergangener Jahrhunderte, manche hinterließen ganze Sammlungen erschlossener Quellen. Auch der gebürtige Elsterberger Lehrer Paul Reinhard Beierlein (1885 bis 1975) gehört zu diesen verdienstvollen nebenberuflichen Historikern. Beierlein zog schon nach dem Studium nach Dresden, lebte später in Radebeul, die Geschichte seiner Geburtsregion ließ den Träger der Leibniz-Medaille (1966) dennoch nie los. In dem Beitrag über den Streit der Reußen mit den Kursachsen greifen wir auf eine seiner Arbeiten zurück, die zuerst 1939 in der Heimat-Beilage des „Vogtländischen Anzeigers und Tageblatts" und 1969 noch einmal vom Plauener Museum (Museumsreihe, Heft 34) veröffentlicht wurde.

Es wird Sie möglicherweise wundern, wenn ich Ihnen an dieser Stelle eröffne, dass ohne den Planeten Jupiter vermutlich weder Sie noch ich noch irgendein anderer Mensch auf dieser Erde wandeln würde. Wir wären alle längst ausgelöscht. An sich gehört diese Weisheit nicht in ein Geschichtsmagazin, aber in dem Fall gibt es einen Hintergrund. Einer der bedeutendsten Jupiter-Kenner des vorigen Jahrhunderts war nämlich ein Vogtländer.

Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch so ein brennendes Verlangen zu erfahren, wie der alte Heinrich von Plauen denn nun wirklich aussah? Seit einiger Zeit kann man zu dieser Frage einen regen Schlagabtausch verfolgen. Der Förderverein Komturhof Plauen präsentiert eine Figur mit spitzer Nase und schwarzem Kopf- und Barthaar, ein örtlicher Verleger grätscht dazwischen mit einer Version, die den Ordensritter breitnasig und grau-blond zeigt.
An sich könnte man die Rechthaberei um das Antlitz eines seit fast 600 Jahren toten Adligen ja als einfach nur lächerlich abtun. Nicht mehr so spaßig ist das Wadenbeißen um den wiederentdeckten Rittersmann aber, wenn dabei gar zu dick aufgetragen wird. Wenn der Recke unbekümmert zum „militärischen Genie, [zum] einzigen Vogtländer, der es jemals zu Weltgeltung gebracht hat", stilisiert wird, wie es sich die regionale Presse diktieren ließ.
Wen, bitteschön, hat in anderen Erdteilen interessiert, was die Deutschritter im Norden Polens und im Baltikum so trieben? Falls in Asien, Afrika oder Amerika im 15. Jahrhundert überhaupt jemand davon erfahren hat. Und zur Leistung Heinrichs: Er verteidigte 1410 die Marienburg gegen ein abgekämpftes polnisch-litauisches Heer. Dafür wählte ihn die Ordensversammlung zum Hochmeister, drei Jahre später stürzten ihn die eigenen Leute wieder. Den Untergang des Deutschen Ordens im Osten hat von Plauen nicht verhindert, sondern nur hinausgeschoben. 1457 fiel die Marienburg doch an die Polen, und der Ordensstaat brach in den Jahrzehnten danach Zug um Zug zusammen.
Was schließlich Heinrich, den Vogtländer betrifft: Man vermutet, dass der Kämpe in Weida geboren sein könnte. Das wäre dann aber auch schon alles an Schnittmenge.

Ihr Andreas Krone